Das Sterilisationsprojekt

- il metodo Buccinasco -

Bestände nachhaltig regulieren


 von Dr. Samuele Venturini ( Biologe, Castorologe )
 
Das weltweit erste offizielle Projekt zur ökologischen Bestandslenkung von einigen Nutria Populationen durch Sterilisation entstand durch eine Idee von Dr. Samuele Venturini ( Biologe ) und Ana Corbani ( U.D.A. Stadt Buccinasco-Mi ).
 
Nachdem sie ein Konzept aufgestellt hatten, wandten sie sich an das Museum für Naturgeschichte in Mailand, das sich als vorgesetztes wissenschaftliches Amt, für die Koordination der Forschung zur Verfügung stellte.
Im Laufe der Zeit hatte das Projekt den erwarteten Erfolg und ist somit eine ausgezeichnete ökologische Methode zur Bestandsregulierung geworden, die nicht nur die Anwesenheit dieser Nager in einem bestimmten Kontext zu handhaben hilft, sondern auch der Gemeinde bei der Einsparung von ökonomischen Ressourcen.
 
Und nicht zuletzt ist es die einzige Methode , die sowohl die zufriedenstellt, die ein Konfliktmanagement Mensch-Natur anstreben, als auch diejenigen die eine tiefere Sensibilität und Ethik zeigen.
 
Übersetzung A. Di Monaco
Quelle und weitere Informationen unter
     

Für Informationen ( technisch, wissenschaftlich oder veterinärmedizinisch ) , Umsetzung und Koordination ähnlicher Projekte ist der offizielle Kontakt


Dr. Samuele Venturini, Handy Nr. +39 348 547 5618

Email: progeconatura@gmail.com




Die Erklärung der Methode


Buccinasco , 2.12.2010  
 
Die Bejagung der Nutrias, um eine Überpopulation zu vermeiden, ist nicht die einzige Lösung und ist auch nicht die Beste.
Das ist die Argumentation von zwei italienischen Biologen , die morgen in einer Pressekonferenz eine alternative Methode zur Bestandsregulierung vorstellen werden.
Bereits mit Erfolg in der Gemeinde Buccinasco angewandt bzw. erprobt.
 
Die Nutria ( Myocastor coypus ) ist eine aus Südamerika stammende Nagetierart. In Argentinien, unter natürlichen Bedingungen , bestehen die Sozialverbände aus mehreren adulten und subadulten Tieren, beiderlei Geschlechts , einem dominanten Männchen , einigen rangniedrigeren adulten und subadulten Männchen und einer variablen Anzahl an Jungtieren ( Guichon et al.,2003 ).
Die dominanten Männchen markieren und verteidigen aktiv das Territorium gegen das Eindringen anderer Männchen.
 
Unser Projekt, so bestätigt der Biologe Samuele Venturini, basiert auf einer "natürlichen" Bestandskontrolle. Indem sterilisierte Individuen auch weiterhin ihr Territorium um Futter und Lebensraum gegen fruchtbare Individuen verteidigen, verhindern sie das Phänomen der Immigration und reduzieren die Fortpflanzungsrate. 
Dies ist eine schmerzlose Methode, respektvoll dem Leben gegenüber, und sicherlich angenehmer als die blutige Tötung, die bei empfindsameren Menschen unbeliebt ist.

Wir wenden die Sterilisation seit ca. einem Jahr im städtischen und vorstädtischen ( suburbanen ) Raum der Gemeinde Buccinasco ( Mailand ) an. Und die guten Ergebnisse treiben uns an, diesen Weg fortzusetzen, den wir auch weiterhin mit der Unterstützung der Region Lombardei beschreiten würden.

Die Tiere werden eingefangen, in eine Praxis gebracht, begutachtet, gründlich untersucht, gechipt, sterilisiert und wieder in ihr Habitat ausgesetzt, wo sie fortlaufend überwacht werden. 

"Als Naturliebhaber, sagt Loris Cereda, Bürgermeister der Gemeinde Buccinasco, kann ich nur für diese Methode sein und bin froh darüber, dass Buccinasco die Pilot-Gemeinde dieses Projektes ( Maßnahme ) ist. Ich hoffe, dass die Ergebnisse auch weiterhin den Erwartungen entsprechen und dass unsere Erfahrungen als Vorbild für andere Städte dienen werden". 
      
Übersetzung A. Di Monaco 
Quelle bzw. Orginaltext
Weitere Übersetzungen folgen noch...
 
 

Fazit zum Sterilisationsprojekt


 
" Die Studie hat es uns erlaubt, das Verfahren der Sterilisation zu standardisieren , sowohl für die männlichen als auch für die weiblichen Exemplare .
Obwohl es sich bei den Nutrias um Wildtiere handelt, bestanden während der ganzen Behandlung ( von der Sedierung bis einschließlich dem Aufenthalt in der Klinik ) keine Risiken für den Operateur bzw. das Personal.
Der chirurgische Eingriff als Ganzes, ist für einen regelmäßig im chirurgischen Bereich praktizierenden Tierarzt leicht durchzuführen und dort anwendbar, wo die Sterilisation als Alternative zur Bejagung bzw. Tötung gefragt ist."
( Samuele Venturini )

Im Interview zum Projekt


TRC - 12.02.2014

Servizio TGR Lombardia 7.02.2014

Auch in Italien besteht übrigens u.a. das Problem, dass oft die Felder bis an die Gewässer reichen. Also auch hier hausgemachte Problematik mit Wildtieren.


Einen schönen Einblick zur Durchführung des Projektes zeigt folgender übersetzter Artikel

Nutrias in Pian di Massiano - DIE STERILISATION HAT BEGONNEN

 

Letzte Woche hat die Umsetzung des - Projekt Nutria -begonnen, das die Sterilisierung der Nutrias am kleinen See von Pian Di Massiano bei Perugia vorsieht.

Das wurde von der Abteilung ENPA (l’Ente Nazionale per la Protezione Animali/ nationale Tierschutzbehörde) der Landeshauptstadt Umbriens mitgeteilt.

Ein Projekt, das nachdrücklich von der Gemeinde und der ENPA (nationale Tierschutzbehörde) gewünscht und von ISPRA (Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale

/ obere Behörde für den Umweltschutz und Forschung) und ASL (L'azienda sanitaria locale/ lokales Gesundheitsamt) genehmigt wurde.

 

Die Nutrias werden dabei mit einer blauen nummerierten Ohrmarke versehen. Außerdem werden sie in eine extra dafür geschaffene Kartei aufgenommen mit Angabe von Name, Geschlecht und Identifikationsnummer von allen Tieren, die sterilisiert und tierärztlich durch das Team von Dr. Levy von der Stadt Perugia untersucht wurden.

 

Das Projekt , entstand, wie die ENPA ( nationale Tierschutzbehörde ) mitgeteilt hat,  aus dem maximalen Respekt gegenüber dem Wohlbefinden dieser Tiere heraus  und mit der maximalen Sorgfalt keinen zusätzlichen Stress zu dem chirurgischen  Eingriff zu verursachen.

Einige Tag vor dem Einfangen, verfolgt und nähert man sich den Tieren, um sie zu beobachten und ihr Verhalten zu studieren.

Das Team versucht sich mit ihnen anzufreunden indem sie ihnen besonders schmackhaftes Futter anbieten, welches sie aus der Hand fressen.

Sie werden abends gefangen, jeweils nur ein bis zwei Tiere, ruhig gehalten, einem medizinischen Check unterzogen, sterilisiert und nach ca. 40 Stunden wieder zurück in ihr Habitat gebracht.

 

Original Artikel/ Jul 2017

http://tuttoggi.info/nutrie-pian-massiano-iniziata-la-sterilizzazione/406787/

Vorteile der Sterilisation


 

1. Der Bestand wird reguliert bzw. verkleinert sich mit der Zeit

 

2. Kosten fallen einmalig an, pro Tier

 

3. Die Tiere sind nicht mehr dem Stress der Bejagung ausgesetzt, mit ihren Folgen wie Suche neuer Höhlen und erneute Vermehrung der verbliebenen Tiere.

 

In der Vergangenheit hat sich mehrerorts gezeigt, daß eine Bejagung völlig kontraproduktiv für eine Bestandsregulierung ist, da niemals alle Tiere getötet werden können und die verbleibenden mit einer erhöhten Reproduktionsrate auf die Verluste reagieren.

Einzig in England konnten Nutrias leider erfolgreich ausgerottet werden, was aber an den örtlichen Gegebenheiten lag und der Tatsache, daß 1. England eine Insel ist und 2. mehrere strenge Winter hintereinander herrschten  ( ein Klima, in dem Nutrias schlecht überleben können ).

 

4. Man erspart sich die hier in Deutschland so übliche und absolut nicht mehr vertretbare Bejagung mittels Totschlagfallen.

 

Es gäbe zwar " humanere " Möglichkeiten, wie Lebendfallen mit anschließender Euthanasie oder Erschießung ( wie es in anderen Ländern praktiziert wird ) , aber aus Kostengründen werden hier in Deutschland leider immer noch Totschlagfallen verwendet.

Diese verursachen grundsätzlich, und vorallem bei so einem großen Tier, wie dem Nutria, niemals einen sofortigen und schmerzlosen Tod. Stattdessen einen langen und qualvollen Todeskampf. Ferner besteht auch immer die Gefahr, daß auch andere Wildtiere in diese Fallen geraten, oder sogar Hunde, Katzen oder Menschen, bzw. kleine Kinder.

Denn selbst in öffentlichen Parkanlagen werden diese Fallen eingesetzt, was zusätzlich zu der Gefahr, noch die Folge hat, daß Parkbesucher und vor allem Kinder, diesen langen und qualvollen, mit Schreien begleiteten Todeskampf mitansehen müssen.

( siehe Jan2014, Moerser Schloßpark )

 

5. Die Sterilisation der Nutrias ist eine fortschrittliche und ethische Methode der Bestandsregulierung, die in Italien bereits seit Jahren erfolgreich durchgeführt wird, sowie auch bei anderen Tierarten weltweit.

 

siehe auch das Ergebnis der Nutria-Konferenz Parma 2015

Die Kosten


Die Kosten für eine Sterilisation von einem Nutria sind ungefähr vergleichbar mit denen für eine Katze, bzgl. des Verbrauchs an Anästhetika, Material, Arbeit etc.

Sie liegen ( in Italien ) zwischen ca. 32,- und 60,- EUR pro Tier. Die benötigte Zeit ( für den Eingriff ) liegt bei ca. 30-40 min, je nachdem, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist.

 

Projekte


( nicht vollständig ... )

Feb. 2017 -  Perugia ( Italien )

"Weg frei für die Sterilisation der Nutrias ! - Die Nutrias vom See in dem Gebiet von Pian di Massiano werden sterilisiert.

Das Projekt wurde vom Stadtrat von Perugia auf Antrag des stellvertretenden Bürgermeisters Barelli bewilligt.

Das Projekt, vorgeschlagen von der ENPA (nationale Tierschutzbehörde), zur Bestandsregulierung der Nutrias, wissenschaftlicher Name Myocastor Coypus, beinhaltet den Fang und die chirurgische Sterilisation an Ort und Stelle, in Zusammenarbeit mit der Ambulanza Veterinaria der ENPA. 

Sowie ihre Identifikation mit Mikrochips mit anschließender Wiedereingliederung in den See und dem Monitoring der Bestandsentwicklung  bzw. einer Kontrolle der Bestandszahlen im zweijahres Rhythmus .

Das Projekt erhielt eine befürwortende Stellungnahme vom Istituto superiore für Umweltschutz und Forschung (ISPRA). "

http://corrieredellumbria.corr.it/news/perugia/249963/via-libera-alla-sterilizzazione-delle-nutrie.html


 
* 02.08.2014  - einer Sterilisation, anstelle einer Tötung der Nutrias von ROSIGNANO ( Italien ) wird zugestimmt
 
* 06.03.2014  - Sterilisation der Nutrias in COPIANO / PAVIA ( Italien )
 
* 18.02.2014 - Sterilisation der Nutrias in einer Gemeinde der Provinz VENEZIA ( Italien )


In Italien werden aber auch außerhalb dieser großen Projekte immer wieder in kleinen Rahmen Nutrias im Auftrag von Privaten bzw. Tierschutzvereinen sterilisiert.
Auch in Deutschland werden inzwischen ( Stand 2016 ) in kleinem Umfang von Tierrettungsdiensten bzw. Tierschutzorganisationen, im Rahmen von Umsiedlungen, Nutrias sterilisiert bzw. kastriert.
 

Seit einigen Jahren ( 2008 ) besteht nun das Sterilisationsprojekt von Samuele Venturini in Italien. Es wird mittlerweile in verschiedenen Gemeinden von Norditalien durchgeführt, u.a. Lombardia, Piemonte, Veneto, Emiglia Romagna und Toscana. Eine ethische, effiziente und ökologische Alternative zur Bejagung der Nutrias.

 

Sollte in Deutschland der Bedarf bestehen, ebenfalls eine Sterilisation der Nutrias durchzuführen, kann  Dr. Venturini sehr gerne kontaktiert werden ( er spricht auch Englisch ).

 


Dr. Samuele Venturini, Handy Nr. +39 348 547 5618

Email: progeconatura@gmail.com  



DIE EU-VERORDNUNG ERLAUBT AUSDRÜCKLICH  AUCH NICHT-LETALE ( NICHTTÖDLICHE) MASSNAHMEN ZUR BESTANDSREGULIERUNG BEI BEREITS WEIT VERBREITETEN TIERARTEN WIE NUTRIA UND WASCHBÄR ( ebenso wie keine generelle Bekämpfung verlangt wird )

Weitere Verweise zum Sterilisationsprojekt

Giorgio Chiozzi & Samuele Venturini
Sterilizzazione chirurgica della nutria (Myocastor coypus): potrebbe essere un potenziale strumento di controllo?
Surgical sterilization in the Coypu (Myocastor coypus): could it be a potential control tool?
Società Italiana di Scienze Naturali/ Centro Studi di Faunistica dei Vertebrati - Ricerche

http://scienzenaturali.org/centri/csfv/csfv-ricerche.html