Wie ist die Rechtslage für die Nutrias ?

Nutria in Harmonie mit Enten

Lt. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW ( LANUV ) :

Die Nutria, eine gebietsfremde Art, steht nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§39) wie alle wild lebenden Arten der freien Natur unter allgemeinem Artenschutz, d.h. sie darf nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, getötet oder verletzt werden.

 
Eine Bekämpfung ist aus Artenschutzsicht nur im Einzelfall sinnvoll, z. B. lokal zum Schutz besonders gefährdeter Vegetationsbestände.
 
In vielen Bereichen wird die Art aus wirtschaftlichen Gründen bekämpft.
Die Bekämpfung erfolgt aktuell auf Antrag bei den Kreispolizeibehörden durch Bisamjäger und wird meist mit Schäden an Uferbefestigungen begründet.

Die Art unterliegt in Nordrhein-Westfalen nicht dem Jagdrecht, kann aber inzwischen gemäß Erlass des MUNLV vom 15.10.2008 auch ohne polizeiliche Sondergenehmigung nach §10 Abs. 5 Waffengesetz von Jagdscheininhaber(inne)n geschossen werden (zum Vollzug des Waffengesetzes).
In Biberschutzzonen ist die Jagd wegen der Verwechselungsgefahr nur an Land erlaubt.
Die Nutria wird wie der Bisam mit Fallen gejagt. 

Bei Fallenfang sollten ausschließlich Lebendfallen eingesetzt werden, da es keine selektiv fangenden Totschlagfallen gibt. Totschlagfallen bergen stets die Gefahr, Nichtziel-Organismen zu treffen. In Gebieten mit Vorkommen von Bibern sind Totschlagfallen bereits behördlich ausgeschlossen.

Lokale mechanische Schutzmaßnahmen (z.B. Drahtgeflechte) an den Böschungen sind dem Fallenfang bzw. der Bejagung vorzuziehen.
 
Quelle LANUV NRW
 
 

lt. NABU
 
Die Nutria wird in der Landesjagdzeitenverordnung nicht aufgeführt und gehört damit nicht zu den jagdbaren Arten.
 
Dennoch werden mit Ausnahmegenehmigungen der jeweiligen unteren Landschaftsbehörde im Rahmen der Nutriabekämpfung jährlich tausende Tiere geschossen oder gefangen...Die Abschüsse sind ebenfalls nur durch Ausnahmeregelungen zum Waffengebrauch außerhalb von Schießstätten gemäß des Waffengesetzes zulässig und von der Kreispolizeibehörde zu genehmigen (telefonische Auskunft der unteren Landschaftsbehörde Kreis Kleve).
Der NABU begrüßt, dass der Nutria bisher nicht als jagdbare Art gelistet wurde und lehnt eine pauschale Verfolgung dieser Art weiterhin ab. 

Quelle NABU
Nutria Geschwister

Begriffsbestimmungen

Lt. BNatSchG ( Bundesnaturschutzgesetz )



7. heimische Art

eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart, die ihr Verbreitungsgebiet oder regelmäßiges Wanderungsgebiet ganz oder teilweise

a) im Inland hat oder in geschichtlicher Zeit hatte oder

b) auf natürliche Weise in das Inland ausdehnt;

 

als heimisch gilt eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart auch, wenn sich verwilderte oder durch menschlichen Einfluss eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden Art im Inland in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten;

( trifft auf die Nutrias zu ! )

 

 

8. gebietsfremde Art

eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart, wenn sie in dem betreffenden Gebiet in freier Natur nicht oder seit mehr als 100 Jahren nicht mehr vorkommt;

( trifft bedingt zu, da die ersten freilebenden Nutrias bereits 1880 gesichtet wurden )

 

 

9. invasive Art

eine Art, deren Vorkommen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets für die dort natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder Arten ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellt;

( bisher ist kein solches Gefährdungspotenzial seitens der Nutrias dokumentiert, vorgeworfen werden ihnen wirtschaftliche Schäden an Deichen,Ufern künstlicher Wasserwege und Landwirtschaft )


lachendes Nutria
Die korrekte Einordnung bzw. Bezeichnung für die Nutrias lautet 
- Agriozoen -
 
Agriozoen = gebietsfremde Pflanzen- bzw. Tierarten, die in natürlichen oder naturnahen Lebensräumen etabliert sind.
Neozoen, wie man sie häufig eigentlich fälschlich nennt, sind dagegen die, die sich noch nicht etabliert haben.

Anmerkung zur Bejagung mit Totschlagfallen

 

Leider werden in Deutschland fast immer Totschlagfallen zur Bejagung von Nutrias eingesetzt. Aus Kosten- und aus Zeitgründen ( Lebendfallen müssen 2 mal täglich kontrolliert werden, die anderen Fallen nur einmal ). Obwohl eine Bejagung mit Lebenfallen und anschließender Euthanisierung/ Tötung möglich wäre, wie es z.B. in Italien praktiziert wird.

 

Dazu in einem Merkblatt der Wildforschungsstelle Baden- Württemberg 

( auch hier werden Lebendfallen empfohlen ) 

 

" Der Totfang von Nutrias ist, aufgrund der aktuellen jagdrechtlichen Regelungen, in Baden-Württemberg nicht empfehlenswert. Es könnten zwar nach derzeit gültigem Recht Abzugseisen mit den Bügelweiten 56cm und 70cm eingesetzt werden (Anlage3 LJagdGDVO). Aber diese Fallen sind nicht speziell zum Nutriafang vorgesehen, von ihrem Einsatz wird daher abgeraten......

Aber auch sonst bleibt er problematisch, weil kein gezielter Schutz führender Elterntiere möglich ist. " 

Quelle  Aus dem Merkblatt Nr. 1 "Die Nutria" Reihe Jagd und Wild 

WILDFORSCHUNGSSTELLE DES LANDES BADEN-WÜRTTEMBERG BEI DER STAATLICHEN LEHR- UND VERSUCHSANSTALT AULENDORF 

http://www.lazbw.de/pb/site/lel/get/documents/MLR.LEL/PB5Documents/lazbw_wfs/WFS_Mitteilung/wfsm1997_2.pdf

Update

 

Mit Einführung des neuen Jagdgesetzes am 27.5.2015 in NRW gilt nun ein Verbot für Totschlagfallen. Diese Verbot wurde aus tierschutzrechtlichen Gründen eingeführt.

 

LEIDER SIND JEDOCH NUTRIA UND BISAM VON DIESEM VERBOT AUSGENOMMEN !

 

So ist das mit den Gesetzen, noch lange kein Garant für Richtigkeit, denn Bisam und Nutria sterben genauso qualvoll wie andere Tiere in den Fallen. Doch der Einsatz von Lebendfallen, wie in anderen Ländern schon lange praktiziert, ist den Deutschen schlichtweg zu teuer und zu zeitaufwendig.

 Alternative Bestandsregulierung siehe

EU - Verordnung invasive Arten

Wie am 14.7.2016 veröffentlicht, stehen die Nutrias zusammen mit bisher 36 weiteren Arten ( Tiere und Pflanzen ) auf der EU-Liste der Invasiven Arten. 

 

Lt BfN ( Bundesamt für Naturschutz / Deutschland ) :

 

"Diese Listenkategorie enthält jene gebietsfremden Arten, die als invasiv gelten, da im jeweiligen Bezugsgebiet oder in ökologisch ähnlichen Gebieten belegt ist, dass sie entweder heimische Arten (= einheimische und alteingebürgerte Arten) direkt gefährden oder Lebensräume so verändern, dass dies (indirekt) heimische Arten gefährdet. Da Maßnahmen gegen diese Arten stark durch ihre biologischen Eigenschaften und Populationsgrößen bzw. die Größe des besiedelten Areals bestimmt werden, wird die Liste der invasiven Arten in folgende Unterkategorien unterteilt: ... "

 

( Allerdings treffen genannte Vorwürfe so nicht zu, denn Experten sehen allenfalls wirtschaftliche Schäden, nicht jedoch naturschutzrelevante, die hier als Kriterium gefordert werden. Die gesamte EU Verordnung ist bei vielen Experten / Biologen und Betroffenen sehr umstritten )

siehe auch - Gute Argumente für die Nutrias und Gedanken über fremde Tierarten -

 

weitere Anmerkung : So zählen eigentlich auch die Nutrias lt. ( oben aufgeführter ) Begriffbestimmung gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu den inzwischen " heimischen " Arten.

Wie läßt sich also die Argumentation erklären ? Sie werden so ja selber als " heimische " Art durch eben diese EU - Verordnung " bedroht " !?

 

 

Die Nutria sind dabei in folgender Liste eingeordnet: 

 

MANAGEMENTLISTE :

 

" Enthält im Bezugsgebiet wild lebend vorkommende invasive gebietsfremde Arten, deren Vorkommen kleinräumig sind und für die keine geeigneten Sofortmaßnahmen bekannt sind ODER deren Vorkommen schon großräumig sind, dass Maßnahmen nur in Einzelfällen sinnvoll sind."


" Die Listung weit verbreiteter Arten ist nicht mit einer pauschalen Bekämpfungsempfehlung aller ihrer Vorkommen verbunden. "
Quelle:

also, kein " Freibrief " zum Abschuss !

Siehe auch Blogbeitrag
Together - Nutria und Stockente