Stellungnahmen EU-Verordnung

Anhörungsportal

Im Rahmen der von der EU-Verordnung geforderten Öffentlichkeitsbeteiligung gab es für jeden die Möglichkeit im s.g. Anhörungsportal zu den geplanten Managementmaßnahmen für invasive Arten online Stellung zu nehmen.


Eigene Stellungnahme

( von nutria-info.com bzw. Pro Nutria )

" Vielen Dank für die einfache und unkomplizierte Möglichkeit zur Stellungnahme

 

Thema Bejagung Nutrias grundsätzlich:

> Es ist bei dieser Tierart wissenschaftlich belegt, daß Bejagungen eine eher geringe bis kontraproduktive Auswirkung haben, da die Reproduktionsrate gefördert wird. Es kommt regelmäßig nach Bejagungen zu häufigeren und zahlenmäßig größeren Würfen, sowie zu mehr Würfen durch Frühreife der Tiere.

 ( COCCHI&RIGA, EVANS, SCHEIDE, VENTURINI )

 

Dies ist ebenso auch bereits praktisch belegt, wie die Erfahrungen in Italien und einigenorts in Deutschland zeigen. ( siehe beispielsweise Jagdstatistiken der Gebiete in Deutschland, wo Nutrias regelmäßig bejagt werden - statt zu einer Bestandsreduktion, kommt und kam es hier zu Bestandserhöhungen sowie vermehrten Verbreitung - gleiches gilt für Italien )

 

Effektive Bestandsregulierung kann nur durch Maßnahmen wie Kastration/ Sterilisation ( chirurgisch ) erfolgen. ( siehe Sterilisationsprojekte in Italien )

 

Anmerkung : Auch in Deutschland haben die Nutrias, speziell die Jungtiere, deren Sterblichkeitsrate perse bereits bei 80 % im ersten Lebensjahr liegt, eine Vielzahl natürlicher Feinde, wie beipielsweise Fischotter, Storch und Seeadler. Tiere, deren Bestände sich in den letzten Jahren vielleicht auch gerade wegen der Anwesenheit der Nutrias einigenorts gut erholen konnten.

 

 

Thema Schäden durch Nutrias:

> Aufgebauscht durch in Auftrag gegeben Medienberichte einiger Lobbyverbände, allgemeine Unwissenheit und fehlende Fachinformationen werden die Nutrias als absolute Gefahr für Deiche und Dämme gesehen.

In der Realität sind diese bisher jedoch nicht zweifelsfrei stichhaltig belegt sondern nur im Kontext mit allgemeinen Schäden durch sowohl andere Wühltiere, als auch natürliche Erosionen, teils bedingt durch den Klima und Strukturwandel.

Belegt und erwiesen ist allerdings, dass diese Tiere bevorzugt Höhlen anderer Tiere belegen statt selber zu graben.

 

Ebenso sind sich Experten einig, daß bei der Gewässerpflege, Gestaltung und Hochwasserschutz grundsätzlich dringend Änderungen vorgenommen werden müssen. Insbesondere die bereits seit langem geforderten breiteren Gewässerrandstreifen ( TEEB-Studie ) zur dringenden Verbesserung der Gewässerqualität, Deichrückverlegungen und Renaturierungen der Gewässer, wo es möglich ist.

Dort wo diese Maßnahmen durchgeführt wurden und werden, kam und kommt es zu keinerlei Konflikten mit Nutria, Bisam und Co. Auch gibt es eine Vielzahl andere mechanischer Maßnahmen Wühlschäden zu vermeiden.

 

Aus Naturschutzsicht richten die Nutrias in natürlichen Gebieten selten Schäden an.

Dort wo es zu Fraßschäden durch ( nicht alleine Nutria ) kommt, siedeln sich im Gegenzug oft wieder andere Arten an, manchmal sogar sehr seltene ( Stelzenläufer ) und profitieren von der Anwesenheit dieser Tiere.

Ebenso können Nutrias unerwünschtem übermäßigen Pflanzenwachstum in Gewässern vorbeugen. Im Münsterland wurden sie dazu speziell angesiedelt und auch die oft unerwünschte Wasserpest steht beispielsweise auf ihrem Speiseplan.

 

 

Thema Prävention von Schäden:

> Wie auch die EU in ihrer Verordnung fordert, sollen Ökosysteme, wie auch generell Gebiete in denen diese Tiere zu finden sind, gestärkt werden vor eventuellen negativen Einflüssen. Dies kann mit oben genannten Maßnahmen erfolgen, mit bekannten mechanischen Schutzvorrichtungen und mit der Akzeptanz, dass auch der Klimawandel perse zu einer veränderten Zusammensetzung der Flora und Fauna führt.

 

 

Thema Tierschutz - Tötung aus vernünftigem Grund und Artenschutz

> In Anbetracht der Sachlage ist der " vernünftige " Grund äußerst zweifelhaft zumal meist immer auch unblutige Alternativen bestehen, die zudem nachhaltiger sind.

Artenschutz kann nicht stattfinden, wenn regelmäßige Bejagungen und Eingriffe in einem Gebiet statt finden, da somit immer auch andere Arten gestört und betroffen sind.

Bejagung per Abschuss sind perse schwierig und nicht tierschutzgerecht, Fallen müssen auch zweimal täglich kontrolliert werden und treffen auch Nichtzielorganismen, die hier unnötigem Stress ausgesetzt werden.

 

 

Forderungen:

 

> Anordnung und Erlaubnis einer Bejagung der Nutrias nur in begründeten und nachgewiesenen Fällen nach einer stichhaltigen Schadensanalyse und nicht rein vorsorglich oder wegen eines pauschalen Verdachts.

Bei Deichbegehungen beispielsweise stellen sich nicht selten nur geringe Schäden dar bzw. Schäden verursacht durch andere Tiere ( Anmerkungen: Grundsätzlich leben Nutrias immer in Behausungen unmittelbar am Gewässerrand und nicht mehrere Meter entfernt - reichen Deiche so nah an die Gewässer ist deren effektiver Nutzen perse fraglich ) 

 

Zudem sollte einer Bejagung nur zugestimmt werden, wenn zuvor sämtliche unblutigen Alternativen tatsächlich ausgeschöpft sind. So wie es gefordert wird und ebenso EU konform ist.

Auch Umsiedlungen nach vorheriger Sterilisation sollten in Erwägung gezogen werden. Entweder in bereits besiedelte Gebiete oder ausbruchssicher in entsprechenden Einrichtungen.

 

 

> Fraglicher Sinn und Nutzen der Aufnahme der Nutrias in das Jagdrecht

Hier besteht die Gefahr einer weiteren Bestandserhöhung und Verbreitung.

Gerne werden diese Tiere, gefördert durch den Anreiz der Schwanzprämie, ohne jeglichen "vernünftigen" Grund getötet. In den letzten Jahren hat sich daraus bereits ein regelrechter neuer " Jagdzweig " entwickelt.

Wie negativ sich Bejagungen auf diese Tiere auswirken können, ist oben erwähnt ( Erhöhung der Reproduktionsrate etc. )

 

 

> Grundsätzliche neue Überprüfung der Invasivität dieser Tierart speziell in Deutschland mit dem Ziel diese von der Liste entfernen zu lassen.

Bereits im Vorfeld der Zustimmung zur EU-Verordnung sollten die Arten Nutria, Waschbär und Co. eigentlich von der Liste entfernt werden.

Zur Invasivitätsbewertung für Deutschland wurden Schadensfälle aus dem Ausland ( Italien, England ) zitiert und nachträglich ein in der Durchführung und Interpretation zweifelhafter " Beleg " aus Deutschland "eingereicht".

Es gibt aber ebenso viele Beobachtungen zu dem positiven  Nutzen dieser Tiere in unserem Ökosystem. ( Ansiedlung von Fischadler, Stelzenläufer, Fischotter etc. )

Grundlage zur Aufnahme in diese Liste, war auch der Wunsch von Ländern wie England. Mit einer grundsätzlich anderen ökologischen Voraussetzung für eine Bewertung der Invasivität 

, da es sich hier um eine Insel handelt. Auch im Rahmen von Brexit wäre eine Neubewertung sinnvoll.

 

In England wurden die Nutrias einst mit Hilfe zweier aufeinanderfolgender harten Winter " erfolgreich " ausgerottet. Jedoch wird inzwischen dort der ebensfalls zuvor ausgerottete Biber dort jetzt wieder angesiedelt. Biber und Nutria unterscheiden sich nicht viel in ihrer Auswirkung auf ein Ökosystem und es gibt Experten, die die Nutrias schlicht als südamerikanische Variante der nördlichen Biber sehen.

 

 

> Ursachenbekämpfung bei Ufer und Deichschäden

Es sind nicht die Tiere, die Ursache der Schäden sind, sondern die Gestaltung / Instandhaltung der Ufer und Deiche durch den Menschen sowie der Klimawandel und die in den letzten Jahren intensive Landnutzung durch Landwirtschaft und Bebauung. So entstehen beispielsweise Schäden an Feldfrüchten vor allem und fast ausschließlich dort, wo Felder zu nah an die Gewässer reichen und zu wenig natürliche Vegetation vorhanden ist.

Ein Fütterungsverbot bzw. eine übermäßige Fütterung ist sicherlich hilfreich. Jedoch sollte auch hier entsprechende Aufklärung erfolgen und keine reinen Futterverbotsschilder aufgestellt werden. Aufklärungstafeln wie sie bereits einigenorts zu finden sind in der Regel wesentlich hilfreicher.

 

Ebenso sollte aber auch gleichzeitig ufernah wohnende Menschen besser über die Nutrias aufgeklärt werden ( grundsätzlicher Umgang mit und Akzeptanz von Wildtieren, auch wenn einige von ihnen erst seit ein paar Generationen bzw. vielen Jahrzehnten, hier leben. Bis vor kurzem zählten die Nutrias ja noch zu den heimischen Arten lt. Bundesnaturschutzgesetz ) .

Durch einfache Maßnahmen wie handelsübliche Zäune können diese Tiere erfolgreich aus Gärten fern gehalten werden, wenn gewünscht. Wer "naturnah" leben möchte, sollte sich auch bewusst sein, daß man hier evtl. den ein oder anderen Kompromiss eingehen muss. So wie Bäume im Herbst ihr Laub verlieren und dann etwas " Arbeit " verursachen, kennen Tiere keine Grundstücksgrenzen und erst recht nicht, wenn dort ein reichhaltiges Nahrungsangebot zu finden ist.

 

Weitere Informationen zu der Tierart Nutria, u.a. auch zu der alternativen Bestandsregulierung finden sich auf www.nutria-info.com "

 
Andrea Di Monaco

Weitere Stimmen

( nicht vollständig )

nutriaktiv.de


Die Seite nutriaktiv.de und gleichnamige Facebookgruppe ( https://www.facebook.com/groups/537993703056845/?fref=ts ) wurde vom Betreiber ( Matthias Hoelkeskamp ) eigens ins Leben gerufen um den Wahnsinn der Eu-Verordnung zu stoppen und um natürlich auch weitere interessante Infos über diese Tiere zur Verfügung zu stellen.

Zusätzlich die neue Seite

sumpfbiber.info !

Wildtierschutz Deutschland


" Nutrias sollen invasiv sein und "beseitigt" werden - sagen Sie Ihre Meinung " 

Sehr konkrete und umfangreiche Stellungnahme vom Wildtierschutz Deutschland

Vogelschutz-komitee


Sehr ausführlicher und umfassender Einwand bzgl. der Managementmaßnahmen zur Art Nutria:


Aus einem Artikel in der FNP zum Thema EU-Liste


" .... Zudem müsse es möglich sein, Tierarten von der Liste zu entfernen, wenn sich herausstelle, dass sie nicht schädlich seien, sagte der Experte für Artenschutz. Dabei gehe es nicht um wirtschaftliche Schäden oder ein Gefühl der Belästigung, sondern um Biodiversität, also eine eventuelle Bedrohung anderer Arten. ... " Zitat Bernd Rüblinger vom hessischen Umweltministerium.

 

" ... Die Politik sollte sich eher die Agrarpolitik vornehmen. ...“ Zitat Madeleine Martin, hessische Umweltschutzbeauftragte

 

Zum ganzen Artikel - Plage oder doch Bereicherung ? -

als " Gegenstimme "

Stellungnahme des DJV ( Deutschen Jagdverband )


In einigen ( zum Glück wenigen ) Bundesländern ist man sehr interessiert an einer Bejagung der Tierart Nutria, sogar Wikipediaeinträge wurden im Vorfeld des Anhörungsportals dahingehend vermeintlich "korrigiert". 

Hier die Stellungnahme des DJV zu Nutria und Waschbär:

Zitat: "Grundlage für eine effektive Bejagung der Nutria ist zum einen die Listung im länderspezifischen Katalog der jagdbaren Arten und zum anderen die Zulässigkeit der Bejagung auch in Schutzgebieten. Schutzgebietsverordnungen sollten ggf. überarbeitet werden,

um eine intensive Bejagung mit Schusswaffe und Falle zu ermöglichen."




Anmerkung: Nun zum einen ist es doch recht fraglich, zusätzlich zu den bereits bestehenden Ausnahmenregelungen einer Bejagung in Schutzgebieten noch weitere hinzuzufügen.

Somit wäre der Sinn und Charakter eines Schutzgebietes doch immer zweifelhafter.

Gerade zu einem Zeitpunkt, wo sich bis dato seltene Arten wie Biber und Fischotter langsam wieder ansiedeln. Auch bei einer Bejagung mit Lebendfallen werden sie unnötig gestört bzw. betroffen.

Zum anderen wird weder von der EU, noch in den Managementmaßnahmen eine intensive !!  Bejagung dieser Tierart überhaupt gefordert, sondern lediglich dort, wo Schäden auftreten, bzw. auch unblutige, z.B. habitatstärkende Maßnahmen gehören dazu. 


Bleibt zu hoffen, dass am Ende im Sinne des Naturschutzes und des Tierschutzes

entschieden wird ... 

Denn jedes Leben ist wertvoll.

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