Eine ethische, effiziente und ökologische Alternative zur Bejagung
Grundsätzlich regulieren die Nutrias ihre Bestände auf Grundlage der Umweltressourcen selbst. Dennoch wird immer wieder eine Regulierung der Bestände gefordert.
Auf der Suche nach einer ökonomischen, nachhaltigen und ethisch vertretbarer Bestandsregulierung der Nutrias entwickelte Dr Samuele Venturini ( Biologe/ Castorologe ) aus Italien das Sterilisationsprojekt.
Denn mehr als 25 Jahre andauernde Bejagung der Nutrias in Italien haben gezeigt, dass diese oben genannte Kriterien nicht erfüllt, und auch Schäden nicht verhindert werden. ( siehe auch Ergebnis Nutria-Konferenz Parma )
Die Methode ( EU-konform s.u. ) bietet sich auch vor allem im urbanen Bereich an und wird idealerweise mit anderen Maßnahmen wie Instandsetzung und entsprechender Gestaltung der Ufer kombiniert.
TRC - 12.02.2014
Servizio TGR Lombardia 7.02.2014
Auch in Italien besteht übrigens u.a. das Problem, dass oft die Felder bis an die Gewässer reichen. Also auch hier hausgemachte Problematik mit Wildtieren.
◻️ 1. Der Bestand wird reguliert bzw. verkleinert sich mit der Zeit
◻️ 2. Einer Weiterverbreitung kann durch den gleichbleibenden bzw. kleiner werdenden Bestand vorgebeugt werden.
◻️ 3. Kosten fallen einmalig an, pro Tier
◻️ 4. Die Tiere sind nicht mehr dem Stress der Bejagung ausgesetzt, mit ihren Folgen wie Suche neuer Höhlen und erneute Vermehrung der verbliebenen Tiere.
In der Vergangenheit hat sich mehrerorts gezeigt, dass eine Bejagung völlig kontraproduktiv für eine Bestandsregulierung ist, da niemals alle Tiere getötet werden können und die verbleibenden mit einer erhöhten Reproduktionsrate auf die Verluste reagieren.
Einzig in England konnten Nutrias offiziell erfolgreich ( fast ) ausgerottet werden, was aber an den örtlichen Gegebenheiten lag und der Tatsache, dass 1. England eine Insel ist ( keine weitere Zuwanderung ) und 2. mehrere strenge Winter hintereinander herrschten ( ein Klima, in dem Nutrias schlecht überleben können ). Allerdings wurden auch dort inzwischen immer wieder Tiere gesichtet.
◻️ 5. Man erspart sich die hier in Deutschland so übliche und absolut nicht mehr vertretbare Bejagung mittels Totschlagfallen.
Es gäbe zwar " humanere " Möglichkeiten, wie Lebendfallen mit anschließender Euthanasie oder Erschießung ( wie es in anderen Ländern praktiziert wird ) , aber aus Kostengründen werden hier in Deutschland häufig immer noch tierschutzwidrig Totschlagfallen verwendet.
Diese verursachen grundsätzlich, und vor allem bei so einem großen Tier, wie dem Nutria, niemals einen sofortigen und schmerzlosen Tod. Stattdessen ist es ein langer und qualvoller Todeskampf. Ferner besteht auch immer die Gefahr, dass auch andere Wildtiere in diese Fallen geraten, oder sogar Hunde, Katzen oder Menschen, bzw. kleine Kinder.
Denn selbst in öffentlichen Parkanlagen werden diese Fallen eingesetzt, was zusätzlich zu der Gefahr, noch die Folge hat, dass Parkbesucher und vor allem Kinder, diesen langen und qualvollen, mit Schreien begleiteten Todeskampf mit ansehen müssen. ( siehe Jan2014, Moerser Schloßpark )
◻️ 6. Die Sterilisation der Nutrias ist eine fortschrittliche und ethische Methode der Bestandsregulierung, die in Italien bereits seit Jahren erfolgreich durchgeführt wird, sowie auch bei anderen Tierarten weltweit.
siehe auch das Ergebnis der Nutria-Konferenz Parma 2015
unter anderem ( Anmerkung 2025 : nur beispielhaft, nicht vollständig, da es inzwischen einfach so viele Projekte gibt )
◻️ PERUGIA - Feb. 2017
"Weg frei für die Sterilisation der Nutrias - Die Nutrias vom See in dem Gebiet von Pian di Massiano werden sterilisiert.
Das Projekt wurde vom Stadtrat von Perugia auf Antrag des stellvertretenden Bürgermeisters Barelli bewilligt.
Das Projekt, vorgeschlagen von der ENPA (nationale Tierschutzbehörde), zur Bestandsregulierung der Nutrias, wissenschaftlicher Name Myocastor Coypus, beinhaltet den Fang und die chirurgische Sterilisation an Ort und Stelle, in Zusammenarbeit mit der Ambulanza Veterinaria der ENPA.
Sowie ihre Identifikation mit Mikrochips mit anschließender Wiedereingliederung in den See und dem Monitoring der Bestandsentwicklung bzw. einer Kontrolle der Bestandszahlen im zweijahres Rhythmus .
Das Projekt erhielt eine befürwortende Stellungnahme vom Istituto superiore für Umweltschutz und Forschung (ISPRA). "
◻️ TURIN - 2018 - Minimalinvasiv, ausführliches s.u.
◻️ BOLOGNA - Feb.2021
Castello d´ Argile / LAV (ital. Tierschutzorganisation) Bologna
Ein ausführlicher viertelstündiger Video-Bericht in der italienischen Sendung „su la zampa“ über ein weiteres aktuelles Sterilisationsprojekt in der Emilia Romagna/ Italien.
Interessant und hilfreich auch die Erkenntnisse, die im Rahmen der medizinischen Untersuchungen gewonnen wurden.
Auch hier waren die Tiere frei von für den Menschen bedenklichen Erkrankungen.
https://www.facebook.com/600598316726599/posts/3847392478713817/
◻️ SASSUOLO - 2021
Videobeitrag https://youtu.be/rq_QOWfQajw?si=iGS75tqSMvIuKHkh
◻️ PARMA - April 2025 -
Parma, eine kontrollierte und geschützte Nutria Kolonie: Ein Erfolgsmodell ( April2025 )
"Nutrias in Pian di Massiano - DIE STERILISATION HAT BEGONNEN (2017)
Letzte Woche hat die Umsetzung des - Projekt Nutria -begonnen, das die Sterilisierung der Nutrias am kleinen See von Pian Di Massiano bei Perugia vorsieht.
Das wurde von der Abteilung ENPA (l’Ente Nazionale per la Protezione Animali/ nationale Tierschutzbehörde) der Landeshauptstadt Umbriens mitgeteilt.
Ein Projekt, das nachdrücklich von der Gemeinde und der ENPA (nationale Tierschutzbehörde) gewünscht und von ISPRA (Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale (obere Behörde für den Umweltschutz und Forschung) und ASL (L'azienda sanitaria locale/ lokales Gesundheitsamt) genehmigt wurde.
Die Nutrias werden dabei mit einer blauen nummerierten Ohrmarke versehen. Außerdem werden sie in eine extra dafür geschaffene Kartei aufgenommen mit Angabe von Name, Geschlecht und Identifikationsnummer von allen Tieren, die sterilisiert und tierärztlich durch das Team von Dr. Levy von der Stadt Perugia untersucht wurden.
Das Projekt , entstand, wie die ENPA (nationale Tierschutzbehörde) mitgeteilt hat, aus dem maximalen Respekt gegenüber dem Wohlbefinden dieser Tiere heraus und mit der maximalen Sorgfalt keinen zusätzlichen Stress zu dem chirurgischen Eingriff zu verursachen.
Einige Tag vor dem Einfangen, verfolgt und nähert man sich den Tieren, um sie zu beobachten und ihr Verhalten zu studieren.
Das Team versucht sich mit ihnen anzufreunden indem sie ihnen besonders schmackhaftes Futter anbieten, welches sie aus der Hand fressen.
Sie werden abends gefangen, jeweils nur ein bis zwei Tiere, ruhig gehalten, einem medizinischen Check unterzogen, sterilisiert und nach ca. 40 Stunden wieder zurück in ihr Habitat gebracht."
Original Artikel/ Jul 2017
http://tuttoggi.info/nutrie-pian-massiano-iniziata-la-sterilizzazione/406787/
in Zusammenarbeit mit der Universität Turin
Dr. Mauthe Degerfeld (DVM, PhD) von der Universität in Turin (Dipartimento di Scienze Veterinarie) beschreibt im Interview die Vorgehensweise wie folgt :
Zunächst werden die Tiere mit modernster Technik, wie Drohnen gezählt und festgestellt, wo überall sich die Tiere aufhalten.
Auch die Sterilisation selber wird mit einem relativ neuem innovativem Verfahren gemacht. Die Tiere unterlaufen keiner großen Operation, sondern das Ganze verläuft minimalinvasiv ( Laparoskopie ) über 3 kleine Löcher, eines für eine Kamera und zwei für die chirurgischen Instrumente.
Somit können die Tiere unmittelbar nach der Narkose wieder freigelassen werden. Der Eingriff selbst erfolgt auch Vorort, d.h. es muss auch keines der Tiere hin und her transportiert werden.
Sie lobt das Projekt vor allem auch, weil hier nicht nur innovativ gearbeitet wird, sondern auch alle an einem Strang ziehen und dahinterstehen, wie die Stadt, die Ämter, die Tierschutzverbände und natürlich die Universität von Turin selber.
Link zum Artikel in -WILD BEIM WILD- mit entsprechendem Interview
Ein Fernsehbeitrag dazu von der entsprechenden Konferenz und im Interview mit Dr. Mauthe Degerfeld (DVM,PhD) von der Universität Turin (Diparimento di Scienza Veterinarie)
Videos zur Durchführung
der minimalinvasiven Sterilisation in Turin (2018)
Text und Beschreibung unter
OPIA Italia onlus
Organizzazione Internazionale Protezione Animali
Aus einem Artikel ( 2019 ) zum Stand der minimalinvasiven Sterilisation der Nutrias:
„Mitzy Mauthe von Degerfeld and Giuseppe Quaranta, professors in veterinary sciences at the CANC (Non-Conventional Animal Center) of the University of Turin have no doubts: the nutria management plan through humane intervention is going to be a huge success.
The pioneering project, the first of its kind in Europe, supported by the Metropolitan City of Turin and is currently in its third phase.
🟢 It is not only achieving its goal, but it has also the potential to become a reference model for other cities in Italy and around Europe.
...
🟢 Furthermore, the project is fully in line with European Union (EU) regulations on invasive alien species (the IAS regulations) ...“
https://animalpeopleforum.org/2019/04/23/laparoscopic-sterilization-invasive-nutria/
https://www.lav.it/news/ok-comm-ue-steril-specie-aliene
Die EU-Verordnung erlaubt ausdrücklich auch NICHT-LETALE ( NICHTTÖDLICHE) MASSNAHMEN zur Bestandsregulierung BEI BEREITS WEIT VERBREITETEN TIERARTEN wie Nutria und Waschbär( ebenso wie keine generelle Bekämpfung verlangt wird )
>> Sterilisationen können somit eine Maßnahme zur Bestandsregulierung darstellen
„ The removal of specimens, their transfer to facilities where they will be sterilized and subsequent re-release to the area from which they were initially removed can fit in the abovementioned framework.”
Auch von italienischer Seite wurde dies mit der EU-Kommission abgeklärt.
"...Karmenu Vella, in una risposta scritta a un’interrogazione parlamentare. Il commissario ha così chiarito che la sterilizzazione degli animali inseriti nella lista delle specie aliene invasive e il loro successivo rilascio non è equiparabile all’attività di “rilascio nell’ambiente” che è invece espressamente vietata dal Regolamento Europeo."
Im Wortlaut :
"...Karmenu Vella, äußerte sich in einer schriftlichen parlamentarischen Anfrage.
Der ( EU ) Kommissar hat somit klargestellt, dass die Sterilisation der in der Liste der invasiven Arten aufgeführten Tiere und ihre nachfolgende Wiederfreilassung, nicht zu vergleichen ist mit einer Freilassung, die gemäß EU-Verordnung verboten ist."
Ganzer Artikel
https://www.lav.it/news/ok-comm-ue-steril-specie-aliene
Mehr dazu hier ( Schriftverkehr )
Eine ethische, effiziente und ökologische Alternative zur Bejagung der Nutrias
Für ausführlichere Informationen ( technisch, wissenschaftlich oder veterinärmedizinisch ) ,
Fragen, Umsetzung und Koordination ähnlicher Projekte
Dr. Samuele Venturini, Handy Nr. +39 348 547 5618
Email: progeconatura@gmail.com
Ausführliche und detaillierte Informationen zum Sterilisationsprojekt
auch im Handbuch
- La NUTRIA (Mycastor coypus) - Biologia e Gestione
( Biologie & Management )
S. Venturini, M.Marin, D. Amidani, C.Marchetti et al (2018)
( ab Seite 88, u.a. Ergebnisse des Projekts, bzw. Studien, Durchführung etc )
http://nutria-myocastor.blogspot.com/2018/11/il-primo-manuale-scientifico-sulla.html
▶️ Videobeitrag von 2024 bei Telecolor
wo Dr. Samuele Venturini nochmals zusammenfassend über das Thema
Nutria, invasive Arten, Konflikte und Lösungen spricht.
Sterilisationsprojekte als Möglichkeit der Bestandsregulierung bzw Bestandsreduzierung von invasiven Arten werden keineswegs nur bei den Nutrias in Italien praktiziert.
Auch in anderen EU-Länder gibt und gab es bereits solche, und eben auch immer mit dem positiven Resultat einer tatsächlichen Reduzierung.
Beispiele:
LIFE MIRDINEC (Dänemark, Schweden, Finnland, 2010–2013)
Art: Marderhund (Nyctereutes procyonoides).
Methode: Sterilisation + GPS-Sender („Judas-Tiere“), die ihr Revier halten, Partner anlocken und deren Aufspüren ermöglichen.
Nachweislich geringerer Populationszuwachs als ohne Eingriff (laut Modellierung).
LIFE 3n-Bullfrog (Belgien, 2019–2025)
Art: Amerikanischer Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus).
Methode: Freisetzung von triploiden (sterilen) Fröschen, die sich mit wildlebenden Tieren paaren, aber keine Nachkommen produzieren.
Ziel: Natürliche Reproduktion der Population stark senken.
Ergebnisse (bis 2023):
Lokale Bestände um bis zu 75 % reduziert.
Nach 3 Jahren Monitoring: 90 % Rückgang in Pilotgebieten
> "Die Listung weit verbreiteter Arten
ist nicht mit einer pauschalen Bekämpfungsempfehlung aller ihrer Vorkommen verbunden."
(BfN, Bundesamt für Naturschutz)