Gute Argumente FÜR die Nutrias

und Gedanken über "fremde" Tierarten ...

15 und mehr gute Argumente ...

1. Sie stammen zwar ursprünglich aus Südamerika, füllen aber hier eine ökologische Nische aus.(SCHRÖPFER & STUBBE 1992)

D.h. sie verdrängen keine einheimische Art, weder in der Tier- noch in der Pflanzenwelt.

 

2. Die Nutrias gelten lt. offizieller Definition als eingebürgerte Art.

siehe auch Rechtslage für die Nutrias

Die ersten freilebenden Nutrias wurden bereits zwischen 1880-1890 in Deutschland beobachtet.

(KINZELBACH 2002)

( also schon vor mehr als 130 Jahren ! )

 

3. Es sind sehr friedliebende Tiere, die in Harmonie mit den anderen Wasserbewohnern, wie z.B. Enten leben.

 

4. Die Nutrias verdrängen sowohl Ratten, als auch Bisam ( Bisamratten ) in ihrem Territorium.

(KINZELBACH 2002,JOHANSHON & STRAUSS 2006,ZAHNER 2004)

Der Bisam ( aus Nordamerika stammend ) wird aufgrund seiner starken Wühltätigkeit und umfangreichen Höhlensystemen aus wasserwirtschaftlicher Sicht als "schädlich eingestuft.

 

5. Die Eingänge ihrer Höhlen liegen oberhalb der Wasserlinie, das bedeutet, daß sie insofern keinen Einfluss auf den Wasserstand haben ( bei normalen Wasserstand ).

 

6. Die Nutrias halten die Uferbereiche von übermäßigen Bewuchs frei.

 

Im Münsterland wurden sie dort deswegen speziell angesiedelt.

Andernorts siedelten sich dadurch wieder seltene Vogelarten an, die nun optimale Brutbedingungen hatten.

 

Ebenso steht die Wasserpest ( Eldodea ) auf ihrem Speiseplan, die ja in einigen Gewässern als problematisch gesehen, und deswegen immer wieder aufwändig vom Menschen entfernt wird.

 

 

7. Sie verbessern die Wasserqualität u.a. indem sie durch Verbiss der Vegetation den Sauerstoffgehalt erhöhen (EHRLICH).

 

8. Die Anwesenheit von Nutrias erhöht die Fischbestände.

" EHRLICH (1964) beobachtete in Polen, dass der Karpfenertrag in Teichen, an denen Nutrias ausgesetzt worden waren, bis zum Sechsfachen ( ! ) anstieg. Für die Ursache hält er, dass die Nutrias die Bestände der Überwasservegetation verbissen haben und so den Lebensraum der Karpfen veränderten.

EHRLICH und JEDYNAK (1962) beobachteten ebenfalls einen Anstieg der Fischpopulation in einem Teich in Polen, der mit Nutrias besetzt worden war. Hierbei handelte es sich um Barsche 

( Perca fluviatilis ), Rotaugen ( Rutilus rutilus ), Hechte ( Esox lucius ) und Schleien ( Tinca tinca ).

In den Lichtungen beobachtete der Autor eine dichte Anhäufung von Chironomiden-Larven und Zooplankton, die einerseits ein Nachweis für günstige Sauerstoffverhältnisse sind und andererseits als Nahrungsquelle für Fische dienen.

In diesem Fall förderten die Nutrias Fische, indem sie günstige Lebensbedingungen wie ein erhöhtes Nahrungsangebot für diese schufen. "

Quelle

Die Nutria (Myocastor coypus MOLINA 1782) in Deutschland

Ökologische Ursachen und Folgen der Ausbreitung einer invasiven Art/ C.Biela, Diplomarbeit 2008

 

9. Nutrias sind sehr friedliche Tiere, selbst wenn sie sich bedroht fühlen, flüchten sie, wenn sie können, anstatt anzugreifen.

Geschichten von aggressiven Nutrias sollte man stets kritisch hinterfragen, denn es ist wahrscheinlich, daß das Nutria nur angegriffen hat, weil es Todesangst hatte und keine andere Möglichkeit gesehen hat, sein Leben zu retten. Welches aber eine völlig normale und nachvollziehbare Reaktion ist.

 

10. Ihren Kot geben sie in der Regel ( außer bei Stress und Angst ) im Wasser ab ( Daniel Scheide/ SCHMIDT 2001 ), d.h. man braucht in öffentlichen Parkanlagen nicht die " Befürchtung " haben, daß die Wiesen und Wege verschmutzt werden.

 

11. Nutrias übertragen keine speziellen Krankheiten, weder auf den Menschen, noch auf andere Tiere.

Das zeigen tiefgehende veterinärepidemiologische Untersuchungen (VENTURINI). Das Argument, Nutrias würden Leptospirose übertragen, ist so nicht richtig. Die Gefahr sich mit dieser Krankheit anzustecken, ist bei anderen Wild- wie auch Haus- und Hoftieren wesentlich größer. In der Regel

erkranken nur Menschen daran, die entweder massiv dem ausgesetzt sind, oder selber eine sehr schlechte Abwehrlage haben.

Für Menschen ist es gefährlicher einen öffentlichen Platz mit Menschen aufzusuchen, als sich in nächster Nähe zu einem Nutria zu befinden.

Siehe auch unter > Nutrias und Leptospirose

 

12, Im Allgemeinen regulieren die Nutrias über ihre eigene Geburtenkontrolle ( Aborte, Resorption der Föten ) ihren Bestand selbst, auf der Grundlage der Umweltressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen, und neigen zum ökologischen Gleichgewicht im Verhältnis zu der Tragfähigkeit des Territoriums. (VENTURINI)

 

13. Nutrias sind sehr menschenbezogen und können sehr zutraulich werden.

Das liegt wohl mit darin begründet, daß sie in ihrem Heimatland auch schon immer als Haustiere gehalten wurden, und an ihrer nahen Verwandschaft zu den Meerschweinchen, die ebenfalls als sehr menschenbezogen gelten.

Siehe auch > Warum sie so liebenswert sind & > Berühmte Nutrias

 

14. Nutrias rufen, bei Kinder aber auch Erwachsenen, regelmäßig Begeisterung hervor, und wir sollten dankbar sein, noch solche Tiere zu haben, mit denen es möglich ist in Kontakt zu treten und so einen Zugang zur Natur zu finden.

Viele Menschen besuchen extra bestimmte Parkanlagen oder Städte, eigens um dann dort die Nutrias zu sehen.

So werden in einigen Städten in Deutschland und Italien die Nutrias sogar touristisch vermarktet.

 

15. Sie wurden damals von den Menschen hier eingeführt, für ihr Fell, ihr Fleisch, zur Gewässerpflege und teils auch zur Bejagung.

 

Kein Nutria ist den weiten Weg von Südamerika freiwillig hierher gekommen. Jahrzehntelang wurden sie von den Menschen ausgenutzt.

Warum sollte man sie jetzt nicht einfach mal in Frieden leben lassen ?

 

 

un zu guter Letzt ...

Jedes Lebewesen hat seine Dahseinsberechtigung und ein Recht zu leben. Der Mensch nimmt täglich, überall auf der Welt den Tieren ihren Lebensraum, indem die Natur zerstört wird. Täglich werden unzählige Tiere für und wegen dem Menschen getötet. Es ist die Frage, ob dies immer so notwendig und unablässig ist, oder ob man nicht auch einen anderen Weg einschlagen kann.

 

keep calm and love nutrias

Meinungen über Nutrias


 

Aus einem Forschungsbericht des Umweltbundesamtes

 

- Bestandsaufnahme und Bewertung von Neozoen in Deutschland -

 

von Dipl.-Ing. (univ.) Olaf Geiter, Dr Suanne Homma, Prof. Dr. Ragnar Kinzelbach

 

Zum Fall Nutria :

" Die meisten Kenner halten die Nutria jedoch für harmlos. Sie wird von vielen Menschen als Haustier gehalten, ist regelmäßig in Zoos zu finden, wurde in Rom ( s.o. ) heftig in Schutz genommen und als Bereicherung im städtischen Umfeld gewertet.

Als Bereicherung begrüßt wird sie auch von BETTAG (1988). Die Art nimmt nach SCHRÖPFER & STUBBE (1992) eine von keiner einheimischen Art genutzte Nische ein.

Das in Südamerika stark zurückgedrängte Tier ( es bestand zeitweise die Gefahr der Ausrottung ) hat somit in anderen Weltgegenden Möglichkeiten der weiteren Existenz gefunden. Sie sollten ihm nach Möglichkeit nicht genommen werden. 

 

Zur Entscheidung fehlt eine quantifizierbare ökonomische und ökologische Schadensanalyse. In der Zeit der Renaturierung der Gewässer, sollte die Untergrabung einer Böschung oder die Überschwemmung einer Aue nicht unbedingt als Schaden angesehen werden.

...

Dass neuerdings gerade die Nutria als Kandidat für die völlige Ausrottung in Europa genannt wird, liegt wohl eher daran, dass sich aufgrund seiner Größe, der leichten Erreichbarkeit und der ohnehin überschaubaren Bestände ein Erfolg möglich erscheint. Bei dem ungleich schwieriger zu bekämpfenden Bisam, über dessen "Schadwirkung" längst gesellschaftliches Einvernehmen besteht, scheinen dagegen die Bemühungen zu erlahmen."

Quelle

UMWELTFORSCHUNGSPLAN DES BUNDESMINISTERIUMS FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT

Institut für Biodiversitätsforschung Allgemeine und Spezielle Zoologie Universität Rostock

http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/2141.pdf

 



 

Ein Artikel von Dr. Samuele Venturini ( Castorologe/Italien 2011 )

 

Ein kurzes Update zur Darstellung der Nutzlosigkeit der Bejagung und der Sinnlosigkeit der Einführung der Nutrias als jagbare Art

sowie zu den üblichen Desinformationen

 

http://nutria.progeconatura.com/castorino/brevi-aggiornamenti-sulla-dimostrazione-dellinutilita-degli-abbattimenti-sullimpossibilita-di-introdurre-la-nutria-come-specie-cacciabile-e-sulle-solite-disinformazioni/

( Übersetzung folgt )

 



ein Kurzfilm über die Nutrias von Drew Christie, erschienen bei der New York Times

 

Hi ! I'm a Nutria.

How long does it takes to become a native ?

   Hallo, ich bin ein Nutria 

- Wie lange dauert es, bis man ein Einheimischer ist ? -

 

 

Drew Christie zu seinem Film:

  " My aim is just to say, "Hey, look in the mirror before blaming all your problems

on rodents and other easy targets."

 


Artikel zum Thema " Fremde Arten "


Fremdenhatz


"Heimisch und fremd sind nichts weiter als eine kurzfristige Feststellung.

Eine Momentaufnahme im Fluss der Zeit "


Zum Artikel aus der TAZ

Invasive Arten - Was heisst hier "Fremd" ?

Warum wir endlich aufhören sollten, Tier- oder Pflanzenarten als "Fremd" oder "Heimisch" zu beurteilen.

Zum Interessanten Artikel aus dem Geo Magazin

von Prof. J. Reicholf

( lehrte bis 2010 als Professor an beiden Münchener Universitäten zum Thema Naturschutz, Ökologie und Evolutionsbiologie )



Immer mehr Tier- und

Pflanzenarten werden von Menschen über den Globus verteilt.

 

"Die Aufregung darüber ist übertrieben."

 

Zum Artikel in der Welt - Rubrik Wissen

 

"Früher war alles besser"
"Europa will eingeschleppte Arten wieder vertreiben. Kritiker halten den Feldzug für teuer und aussichtslos."

Mark Davis, US-amerikanischer Biologe, fürchtet, dass Ressourcen für sinnlose Kämpfe gegen Arten verschwendet werden, die gar keine ernsthafte Bedrohung darstellen."

Zum Artikel in -Der Spiegel-Bereich Umwelt



Nur keine Panik !
Der britische Biologe und Autor des Buchs " Where do Camels belong ? The story and science of Invasive Species " Ken Thompson plädiert für mehr Gelassenheit in Bezug auf " fremde Arten "
Von Dauer ist nur der Wandel 
Eine sehr ausführliche Rezension zum neuen Buch von Fred Pearce - Die neuen Wilden - Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten 


junges Nutria
Every individual matters
Every individual has a role to play
Every individual makes a difference
                                     - Jane Goodall -

Das Artensterben und die Nutrias

Inzwischen sollte einjeder erfahren haben, daß der Mensch durch seine Handlungen ein weltweites Artensterben in Gang gesetzt hat. Durch intensive Landwirtschaft, Bebauung, Rodung etc. 
Umsomehr wäre es doch erstrebenswert solch Tieren, wie den Nutrias, hier eine Chance zu geben.
Sie leben in Harmonie mit anderen Tierarten, füllen eine ökologische Nische aus, verbessern die Wasserqualität. Das Ganze idealerweise gekoppelt mit einer Renaturierung der Fließgewässer bzw. Einführung und Wiedereinführung von Uferrandstreifen bzw. Pufferzonen.
 
Der Nutzen dieser Pufferzonen ist vielfältig, sowohl als Lebensraum für die Tier und Pflanzenwelt, als auch für den Menschen, durch weniger Beeinträchtigungen und Schäden durch Überschwemmungen ( die ja wetterbedingt nicht weniger werden in der Zukunft ), als auch durch wegfallen einiger Zeit- und kostenintensiver Pflegemaßnahmen für die Ufer. Ferner gelangt auch so weniger Dünger ( der ja leider noch immer massiv eingesetzt wird ) in die Fließgewässer.

Natürlich hätten hier viele Landwirte den auf dem ersten Blick erscheinenden Nachteil, daß sie auf ein Stück ihres Ackers verzichten müssten. Doch erstens hat die intensive Landwirtschaft die Natur schon zu genüge geschädigt und es wäre Zeit wieder etwas zurück zu geben. Und zweitens würden auch die Landwirte davon profitieren. Durch einen intakten und belebten Uferrandstreifen käme es zu weniger Fraßschäden an den Feldern und auch der Pestizideinsatz würde sich z.B. verringern. Nicht umsonst hatte man in der fernen Vergangenheit Hecken und Grünstreifen an den Feldern.

Der Nutzen dieser "Pufferzonen"  ( Stichwort Gewässerrandstreifen ) ist im Übrigen bereits vielfach theoretisch und praktisch belegt ( wird stellenweise auch staatlich gefördert ) und auch die Nutrias könnten hier ohne jeglichen Nachteil für die heimische Flora und Fauna und den Menschen leben.

 

siehe auch

"You cannot get through a single day
without having an impact on the world around you.
What you do makes a difference,
and you have to decide what kind of difference you want to make.” 
~ Jane Goodall ~
Nutria am Ufer - Zeichnung