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Nutrias - natürliche Feinde und andere Todesursachen

Entgegen oft anders lautender Aussagen haben Nutrias auch in Deutschland eine Reihe natürlicher Feinde und dezimierender Faktoren.

Nutrias werden nicht alt


Oft hört und liest man die Aussage, dass Nutrias ein Alter von 10 oder gar 13 Jahren erreichen.

Diese Zahlen sind aber Höchstalter, die vermutlich vor allem noch aus Zeiten der Farmhaltung stammen. Was allerdings auch fraglich ist, denn oft wurden die Tiere auch zur Fleischnutzung gehalten. Vielleicht aber auch nicht immer.

Bei freilebenden jedoch, liegt das Durchschnittsalter weit darunter.


Nur 20 Prozent der Jungtiere erreichen überhaupt das erste Lebensjahr

 

und auch die allgemeine jährliche Mortalitätsrate wird mit 60-80 Prozent angeben. (LEBLANC 94)

Das durchschnittliche Alter das Nutrias in freier Wildbahn erreichen liegt meist bei lediglich 3 Jahren.


Aber auch in menschlicher Obhut, aus neuerer Zeit, lag das Durchschnittsalter bisher immer zwischen 3-5 Jahren.


Diese reellen Altersangaben müssen eben auch berücksichtigt werden, wenn die Rede von „rasanter“ Vermehrung ist.

Denn erstens überleben viele Jungtiere das erste Jahr garnicht erst und haben, außer bei Frühreife durch besondere Ereignisse, nicht mehr unbedingt die Möglichkeit selber Nachkommen zu bekommen. Zweitens, ist die generelle Lebensdauer nicht besonders lang.


Daher ihre Strategie, wenn hohe Verluste durch beispielsweise Bejagung oder Hochwasser vorkommen, mehr Jungtiere zu gebären. Durch größere Würfe und Frühreife. Selbst entsprechende Geschlechter können sie bestimmen. 

Um so, die in diesem Fall hohen Verluste auszugleichen und ihre Art weiter erhalten zu können.

Was beendet das Leben der Nutrias ?


Zeichnung aus dem Buch über die Nutrias von James Evans, 
Wissenschaftler des United States Bureau of Sport Fisheries and Wildlife
( das ganze Buch ist im übrigens voller Zeichnungen die er selber gemalt hat. Sehr sympathisch ! )

Die natürlichen Feinde


Anpassung hat längst stattgefunden

Sehr oft wird gesagt, dass Nutrias hier keine natürlichen Feinden in Deutschland hätten. Dabei hat sich, auch aufgrund der bereits langen Anwesenheit der Nutrias, hierlängstdie„Natur“angepasstundviele hier heimischen Arten haben die Nutrias für sich als willkommene zusätzliche Nahrung/ Beute entdeckt und nutzen diese teils auch sehr intensiv.

So wurde beobachtet, dass sich mancherorts Greifvögel fast stündlich junge Nutrias holen !
Und nicht nur bereits vorhandene häufigere Arten nutzen Nutrias als willkommene Nahrung, auch seltenere Arten wie Fischotter und Seeadler haben die Nutrias für sich entdeckt.
So haben sich inmitten von Nutria Gebieten ( das erste Mal seit 200 Jahren in NRW ) wieder Seeadler niedergelassen und brüten dort inzwischen erfolgreich ( Bislicher Insel und SichtungenUrdenbacherKämpe ).
Gleichzeitig kann natürlich ein breiteres Nahrungsangebot auch wiederum andere, seltene Beutetiere entlasten.

Die Jungtiere sind winzig

Zum, in meinen Augen, wichtigen Verständnis vorweg, etwas zu der Größe der Nutrias.
Viele, die diese Tiere noch nicht so gut kennen oder beobachten konnten, denken bei Nutrias immer an die  „riesigen“ und mit großen Schneidezähnen bewaffneten Gesellen im Wasser und am Uferrand. Und fragen sich zu Recht, welches deutsche Raubtier denn die erlegen soll.
Bei den Jungtieren sieht es aber eben ganz anders aus. Sie kommen nach einer langen Tragzeit zwar fix und fertig, mit allem ausgestattet auf die Welt, sind aber vergleichsweise winzig.
Das Geburtsgewicht liegt zw. 175 - 330 Gramm und sie sind von der Größe gerade mal eine Handvoll Nutria.
Da sie als Nestflüchter schon behaart und sehend auf die Welt kommen, schwimmen sie auch schon am ersten Tag durch die Gegend. Bei den Muttertieren sind auch extra die Zitzen seitlich am Rücken angelegt, damit die Jungen eben auch im Wasser schwimmend gleich säugen können.

Das für solch kleine Wesen die Gefahren nicht zu knapp sind, dürfte spätestens jetzt jedem bewusst sein. Und warum sich Nutriamütter sehr um ihre Jungen sorgen, auch.

Raubtiere, denen vor allem Jungtiere zum Opfer fallen, sind:



- Füchse, Marder, Fischotter, Mink, Wildkatzen, Wölfe

- Greifvögel, Eulenarten, Störche

- Krähen und Graureiher, die vor allem juvenile Tiere erbeuten (D.Scheide / S. Venturini)

- Raubfische wie Hecht , Wels  

- freilaufende Hunde und Katzen

Aber auch erwachsene Nutrias werden erlegt

Auch erwachsene Tiere werden erbeutet, vor allem wenn sie älter, krank oder geschwächt sind.
Wie zahlreiche Videodokumentationen zeigen.
Das aber in der Mehrheit Jungtiere erbeutet werden ist aber durchaus nichts „ spezielles“ was nur auf diese Tierart zutrifft, sondern auf so gut wie alle Arten.

Beispiele bzw Foto und Videodokumentationen 

- Fuchs mit erlegtem Nutria, aus einem Naturschutzgebiet in Italien ( Carpi )

https://www.facebook.com/oasilafrancesa/videos/274151900231121/


Video: Fuchs fängt Nutria, von Dagmar Uttich aufgenommen 

https://vimeo.com/257713971

Ebenso ist der Mink ( amerikanische Nerz ), der inzwischen deutschlandweit anzutreffen ist, allerdings auch scharf bejagt wird, ein Feind der Nutrias. Auch von erwachsenen Tieren, wie im aufgeführtem Video zu sehen. 


Bilder eines europäischen Uhus mit Nutria

Bilderstrecke Greifvogel und Nutria

Reiher tötet Nutria
Die ganze Bilderstrecke Reiher und Nutria hier. Warnung, da blutige Bilder !

Weitere dezimierdende Faktoren


Neben dem Tod durch Fressfeinde, von denen vor allem die Jungtiere und ältere und geschwächte erwachsene Tiere betroffen sind, gibt es noch eine Reihe weiterer Todesursachen.


- Das Klima, wie sehr harte Winter mit zugefrorener Wasserfläche und zugefrorenen Boden 

- Nahrungsmangel 

- Krankheiten

- Vergiftungen bzw Umweltgifte wie Pestizide 

- Verluste durch Überschwemmungen bei Hochwasser 

- Autoverkehr ( allerdings in geringem Maße, da sie sich bevorzugt immer in unmittelbarer Nähe zum  Gewässer aufhalten ) 

- und natürlich den Menschen durch Bejagung und Tötung, legal und auch illegal

     

 

Aus einer Untersuchung zu den Todesursachen freilebender

Meist menschliche Ursachen



" Erhebung der Mortalität freilebender Nutria (Myocastor coypus) 


Eine Sichtung der Literatur gibt nur wenig Aufschluss über die bei freilebenden Biberratten natürlicherweise auftretenden Krankheiten. In dem vorliegenden Bericht werden die Autopsien, die an freilebenden Tieren aus vier verschiedenen geographischen Regionen durchgeführt wurden, zusammengefasst. 


52 % der Nutria wiesen Verletzungen auf (meist durch Prädation oder Autounfälle), 

15 % wurden durch verschiedene Toxine vergiftet und 

11 % waren verhungert. 

Die restlichen Tiere starben an Infektionskrankheiten und sonstigen Ursachen, während 21 Individuen keine bedeutenden Verletzungen aufwiesen. 


Offenbar traten Infektionen nur sporadisch auf, mit einer weit niedrigeren Prävalenz als bei Tieren in Farmhaltung. 

Die Inzidenz von Vergiftungen war demgegenüber eher hoch. Ferner wurde bei zwei Tieren Anthrax diagnostiziert. 


Die Nutria unterliegen somit wahrscheinlich einer Mortalität, die ihre Ursache eher in verschiedenen, durch den Menschen verursachten Einflüssen hat als in natürlichen Ursachen. "


Quelle: 

European Journal of Wildlife Research

https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuv/natur/fjw/pdf/EJWR_European_Journal_of_Wildlife_Research_54_2008.pdf


Laut Jagdstatistik wurden 20/21 insgesamt 
101.108 Nutrias in Deutschland getötet.
Zum Weiterlesen :

Nutria Art

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